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DIE SUCHE NACH DER RICHTIGEN NOCKENWELLE
 

Bei der Wahl der Nockenwellen machen viele Leute Fehler. Größer ist besser trifft hier nicht zu. Also worauf muss man achten? Zuerst müssen einige Fragen beantwortet werden:

1. Welcher Bohrung und Hub?
2. Welche Pleuellänge?
3. Welche Verdichtung?
4. Was Fliessen die Köpfe im Einlass und Auslass?
5. Wofür soll der Motor verwendet werden? Rennmotor? Sportlich? Alltag?
6. Wie hoch soll er drehen? (zum teil auch Hubraumabhängig)

Optimal ist es zu wissen wie die Köpfe fließen. Das heißt, bei welchem Ventilhub habe ich den größten Durchfluss. Dieses kann nur auf einer Flowbench ermittelt werden. Wenn du "gemachte" Köpfe von einem Tuner kaufst oder bearbeiten lässt sollte er dies wissen. Wenn nicht, schick die Köpfe zurück, weil er die Köpfe nicht gleichmäßig bearbeitet hat. Auch das kann nur mittels Flowbench gemacht werden.
Nehmen wir an, der optimale Fluss ist bei 13mm Ventilhub(inkl. Kipphebelübersetzung). Rechne 20% dazu. Da hast du gerade deinen optimalen Nockenhub. Warum 20%? Das Ventil passiert den optimalen hub 2 Mal, einmal beim aufmachen und einmal beim Zumachen. Ziel ist es Das Ventil so lange wie möglich in dieser "Zone" zu halten ohne den Durchfluss zu zerstören. 20% ist ein Erfahrungswert bzw. Daumenregel.

Nur so scharf wie nötig. Das heißt, wenn du ein Lammfrommes 8:1 Verdichtetes 040er Serien Kopf 40er Weber 1776er hast brauchst du auch ein milde Nocke. Die Nocke muss zu den Köpfen passen. Es gilt immer die Gasgeschwindigkeit aufrecht zuhalten.

Mit einer aggressiven Nocke (300+) ist die Überschneidungsphase groß, also die Zeit die beide Ventile auf sind. Je höher die Gradzahl umso länger sind die Ventile auf.
Mit zunehmender Drehzahl hat der Zylinder/Kolben weniger Zeit zu füllen. Mehr Leistung braucht mehr Luftbenzingemisch. Weil die Zeit immer weniger wird mit zunehmender Drehzahl muss nachgeholfen werden. In der Überschneidungsphase wenn beide Ventile offen sind hilft der Auslasskanal wegen dem herrschenden Unterdruck (Beim Ventilöffnen) unterstützt das füllen des Zylinders. Die Saugwirkung des Kolbens alleine langt nicht um den Zylinder optimal zu füllen. Das heißt, wenn der Motor bis 8000 oder 8500 drehen soll, brauchst du eine Nocke die einen riesigen Hub hat und Lange Steuerzeiten wo beide Ventile lange offen sind.


Pleuellänge/Pleuelverhältnis:

Je länger der Pleuel umso langsamer die Kolbengeschwindigkeit. Hier scheiden sich die Geister was besser ist. Ein langer Pleuel ist besser für die Haltbarkeit, weniger Verschleiß. Hat aber weniger Saugwirkung als ein Langer Hub mit kurzem Pleuel. Mit einem Langen Pleuel braucht man etwas mehr Überschneidung. Der Kurze Pleuel "zieht" schneller, sorgt für aggressive Charakteristik und füllt den Zylinder im Vergleich(selbe Hubraum, andere Pleuellänge) schneller. Braucht aber mehr Ventilhub.

Verdichtung:

Je mehr Verdichtung umso länger die Steuerzeit. Hier ein Daumenregel:
Alles was unter 8.5:1 Verdichtung hat soll unter 280° bleiben
auch hier spielt die Gasgeschwindigkeit eine Rolle. Bei höherer Verdichtung ist auch der Unterdruck bei Ventilöffnung höher. Bei einem niedrig verdichtetem Motor mit eine "scharfe" Nocke passiert folgendes: der Zylinderdruck ist zu gering um genügend Unterdruck zu erzeugen wenn das Einlassventil öffnet während der Kolben nach unten geht. Bzw. Der Unterdruck wäre zu schnell weg und die Gasgeschwindigkeit wird zerstört und die Benzinteilchen setzen sich im Ansaugtrakt ab (weil sie schwerer sind als Luft)und es gibt eine Scheiß Verbrennung und du wirst den Motor nie Abstimmen können.
Mit einer hohen Verdichtung muss auch die Drehzahl und Steuerzeit erhöht werden. Hat auch etwas mit der Klopffestigkeit zu tun. Im unteren Drehzahlbereich bei einem hoch verdichtenden Motor ist es auch schwieriger abzustimmen, wegen der Gasgeschwindigkeit. Die Hohe Verdichtung hilft zwar Gasgeschwindigkeit zu erhöhen(aufrecht zuhalten) produziert aber mehr Hitze und verursacht Verwirbelung des Gemisches. Für hohe Drehzahlen ist eine hohe Gasgeschwindigkeit nötig also mehr Verdichtung und längere Steuerzeiten.

Es gibt keine Nocke für alle Fälle
Jeder Motor ist anders. Besonders bei getunten Motoren weil es hängt davon ab wie die Köpfe Bearbeitet worden sind und wie viel sie Fliessen können bei x-Ventilhub.
Deswegen ist es oft so das der Tuner sagt "der hat 150PS" und in Wahrheit nur 120 hat. Ohne Flowbench und Flusszahlen sind PS Angaben nur Schätzwerte. Ohne Drehmomentangaben und über welches Drehzahlband bedeuten die PS Zahlen überhaupt nichts.

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Dieser Artikel wurde Dir von den Freunden des Bug Talk Forum zur Verfügung gestellt.
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